Nr. 8

Nr. 8

Hallo, hier bin ich wieder und berichte mal, was bei mir so los war in letzter Zeit. Ich bin inzwischen seit fast drei Wochen wieder in Deutschland, aber auch die letzten Wochen in Kalimpong waren noch sehr ereignisreich.

Besuch aus Deutschland

Wir hatten hier tatsächlich relativ viel Besuch aus der Heimat in den letzten Monaten. Erst kam Anfang April Hannahs Familie mit Eltern, Schwester und Cousine. Da kam auf einmal sehr viel Leben in unser Haus, bzw. zeitweise war es auch sehr ruhig, als sie für einige Tage eine Rundreise in der Umgebung machten. Ziemlich gleich im Anschluss kam meine Schwester für drei Wochen. Sie nahm ich vor allem in meinen Alltag mit, wir machten mal Ausflüge, etwa nach Darjeeling, und sie reiste auch ein bisschen ohne mich, da ich in der Schule viel zu tun hatte. Als letztes kamen meine Eltern für zwei Wochen. Sie flogen dann gleichzeitig mit Hannah zurück nach Deutschland.

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Ganz die Touris: wir, im Toy Train in Darjeeling
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Guru-Statue in Sikkim

Es war auf jeden Fall sehr spannend, den ganzen Deutschen mal zu zeigen, wie wir hier Leben. In den ersten Tagen sah man durch die Augen der Besucher nochmal alles so, wie man es am Anfang gesehen hatte. Das war auch der anstrengende Teil, wo man alles erklären musste und einem erst wieder aufgefallen ist, wie anders doch das Leben hier ist und wie sehr man sich doch schon an alles gewöhnt hat. Jeder der Besucher brachte aber auch seine eigenen Eindrücke und Gedanken mit und man bekam nochmal ganz neue Impulse, über manche Themen neu nachzudenken. Und es war eine lustige Erfahrung, mal ausnahmsweise als Deutsche am Esstisch in der Überzahl zu sein. 🙂

 

Abschied von Hannah und meinen Eltern

Wir wollten früh am morgen losfahren um noch bequem zum Flughafen zu kommen, bevor der Flug um die Mittagszeit ging. Der Tag vorher und eigentlich die ganze Woche war voller Abschiede gewesen, es hatte ein großes Programm für Hannah und Brother Soni gegeben und am letzten Nachmittag wollten wir nochmal in eines der Dörfer um Momos (Nepalesische/tibetische Teigtaschen-Spezialität) zu machen und zu essen. Dann während wir mitten in der Zubereitung waren kam plötzlich ein Anruf an Hannah, dass für den nächsten Tag ein Streik angesetzt war und wir deswegen schon am selben Tag zum Flughafen müssten. Also hieß es für uns, dass wir so schnell wie möglich nach Hause eilen mussten, Hannah noch fertig packte, sich überstürzt von allen verabschiedete und schon saßen wir im Auto nach Siliguri. Dort verabschiedete ich mich dann von Hannah und meinen Eltern, und fuhr am selben Abend allein wieder zurück nach Kalimpong.

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Hannahs Abschieds-Programm

Streik

Am Tag nach der besagten Abreise war in Kalimpong alles totenstill. Keine Autos, so gut wie keine Menschen auf der Straße, alles war wie stillgelegt. Vorerst blieb der Streik bei dem einen Tag und am Montag war weder wie gewohnt Schule, wo ich mich erstmal daran gewöhnen musste, allein zu sein. Insgesamt hatten wir vielleicht noch 3 Tage, an denen alles offen war, dann ging der Streik richtig los.

Ein paar Hintergrundinformationen dazu: Schon seit vielen Jahren gibt es in den nördlichen Hügeln von West Bengalen (also die Hügel um Darjeeling, zu denen auch Kalimpong gehört) die Forderung nach einem eigenen Bundesstaat, Gorkhaland. Die Leute die dort leben sind größtenteils Nepalis, auch genannt Gorkhas, die sich durch Sprache und meistens auch durch das Aussehen von den Bengalis unterscheiden. Nun gab es einen Beschluss der Regierung West Bengals, dass an jeder Schule Bengali unterrichtet werden muss, was zu einem großen Aufschrei dem Teil der Bevölkerung führte, dessen Muttersprache nicht Bengali ist. Nach ein paar ergebnislosen Meetings und Verhandlungen wurde der Streik ausgerufen und es kam zu großen Märschen in den Straßen und immer wieder zu gewaltvollen Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denen mehrere Leute zu Tode kamen oder verletzt wurden. Der Stand der Dinge im Moment ist, dass keine Seite nachgeben will und der Streik auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wird. Problem an der Sache ist, dass die Parteien, die die Sache angezettelt haben außer dem Staat Gorkhaland keine politische Vorstellungen haben und selbst bei einem Erfolg vielleicht nicht in der Lage sind, den neuen Bundesstaat zu führen.

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„Proud to be an Indian Gorkha“ an der Straße

Bei uns in der Gandhi Ashram School, die ja ein gutes Stück unterhalb der Stadt liegt, bekommt man von dem politischen Trubel aber kaum etwas mit. Hier müssen die Leute mit den konkreten Folgen des Streiks fertigwerden: man kommt nicht mehr von Zuhause weg, die meisten Läden haben  geschlossen, bzw. verkaufen die Produkte für teures Geld, die Lebensmittelbeschaffung wird recht schwierig und man hat den ganzen lieben Tag lang nichts zu tun, da die Schulen ja, wie alle anderen öffentlichen Einrichtungen, geschlossen haben. Leuten die arbeiteten, wurde von Unterstützern der Gorkhaland-Bewegung Schwierigkeiten gemacht und so mussten bei uns zum Beispiel auch alle Bauarbeiten an der Schule eingestellt werden. Und wer mit einem kranken Familienmitglied ins Krankenhaus wollte, musste dann die zwei Stunden in die Stadt zu Fuß auf sich nehmen. Leider hieß das auch für mich, dass ich einigermaßen zu Hause festsaß und mein Abschied recht leise und in kleinen Kreisen verlief. Ich verbrachte die letzten Wochen in der Nachbarschaft, spielte mit den Jungs Volleyball, besuchte ein paar Familien Zuhause und ein paar Schüler kamen, um Klavier zu lernen. Ein paar Tage vor meiner Abreise nach Deutschland fuhren wir nach Siliguri, damit ich die letzten Tage noch da entspannen konnte, um dann ohne Probleme zum Flughafen zu kommen. Um aus Kalimpong herauszukommen, mussten wir aber frühmorgens um halb 6 Uhr losfahren in einem Krankenwagen (nur Krankenwägen und Autos, die zu Beerdigungen fahren werden ohne Kontrolle durchgelassen) und dann ab halber Strecke ein öffentliches Auto zu nehmen…

Ja, ich denke man kann sagen, die ganze Situation ist abenteuerlich, aber ich hoffe wirklich, dass sie sich in naher Zukunft löst!

Wieder zu Hause

Nach meinem etwas spannenden Abgang aus Kalimpong hatte ich dann noch ein paar ruhige Tage in Siliguri, wo ich noch ein bisschen einkaufen und nochmal in Ruhe von Indien Abschied nehmen konnte. Dann ging auch schon mein Flug nach Delhi und von da nach Frankfurt und im Nu war ich dann auch schon wieder in Deutschland und wurde von meinen Eltern abgeholt.

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Tschüss, Indien!
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Ein paar Andenken (hat meistens was mit Essen zu tun)

Jetzt geht es darum, mich wieder ans geordnete, saubere Deutschland zu gewöhnen und zu versuchen, das was ich erlebt habe irgendwie in Worte zu fassen! Es ist schon ein bisschen komisch, jetzt überall deutsche Gesichter zu sehen, die Sprache zu verstehen (endlich wieder fremde Leute belauschen, juhu), auf sauberen Straßen zu laufen, Menschen mit verhältnismäßig wenig Kleidung zu sehen und als weißes Mädchen nicht mehr aufzufallen. Aber ich vermisse auch vieles, ganz besonders die Kinder, die Schule, die Freunde, die ich dort hatte, die Mentalität des Immer-Willkommen-Seins.
Hier in Deutschland wollen dann natürlich alle Leute was erzählt bekommen (die Standartfrage, auf die ich spontan immer gar nicht antworten kann: „Und, wie wars?“), das heißt ich bin jetzt viel beschäftigt mit Bilderzeigen, Freunde und Familie Wiedertreffen und mich wieder an die deutsche Luft zu gewöhnen. Aber es macht schon irgendwie Spaß, die beiden so unterschiedlichen Kulturen miteinander zu vergleichen und Leute mit etwas abenteuerlichen Geschichten aus Indien zu unterhalten/schocken. Jetzt muss ich mir noch klar werden, was ich in diesem Jahr alles gelernt habe, und wie ich das in mein Leben einbaue, aber eins weiß ich jetzt schon ganz genau:

Ich würde dieses Jahr in Kalimpong jederzeit wieder machen und bereue es auf keinen Fall!

Also dann, verabschiede ich mich mit meinem vermutlich letzten Eintrag von diesem Blog und einem Dankeschön an euch brave Leser!

Liebe Grüße von Rafaela (wieder in Deutschland)!

🙂

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Nr. 7

Hallihallo allerseits! 

Ich habe diesen Blog vor ca einem Monat angefangen und wollte eigentlich so anfangen: „in letzter Zeit ist nicht allzuviel passiert, deswegen habe ich jetzt mal wieder Zeit, ein bisschen über meinen Alltag zu schreiben…“. Aber dann habe ich den Eintrag doch nicht hochgestellt und es ist doch noch eine Menge passiert: meine Schwester und meine Eltern sind zu Besuch gekommen und letzten Donnerstag habe ich meine Mitfreiwillige Hannah verabschiedet. Auch in der Kommunität hat es einige Veränderungen gegeben. Aber all dem will ich in den nächsten Tagen einen eigenen Beitrag widmen und hier geht es wie geplant erstmal um meinen Alltag!

Unterrichten

Ich hatte ja jetzt schon viel Zeit, mich im Unterrichten auszuprobieren und immer noch habe ich mal bessere und mal schlechtere Tage. Generell hab ich festgestellt, dass der Unterricht leichter läuft, je besser meine Beziehung zu den Schülern ist, dann machs natütlich auch mehr Spaß. In den älteren Klassen freue ich mich richtig über deren Fortschritte und habe das Gefühl, viel weiterzugeben. In den jüngeren Klassen habe ich immer noch Probleme damit, die Schüler ruhigzuhalten und mir den nötigen Respekt zu holen. Das wird oft richtig anstrengend, beispielsweise habe ich auch einen Schüler, der erst dieses Jahr an unsere Schule gekommen ist und sich noch nicht wirklich auf Englisch verständigen kann. Trotzdem macht mir der Klavierunterricht viel Spaß und ich genieße es, ein bisschen herausgefordert zu werden. Außerdem helfe ich ja in den singing classes der Stufen 2 und 3 mit, hauptsächlich indem ich am Klavier begleite und es ist meistens einfach eine Freude den kleinen Kindern beim Singen zuzuhören. 

BSA

Ich habe das, glaube ich, schon mal erwähnt, dass bei uns auf dem Gelände der alten Schule (also da, wo wir zur Zeit noch wohnen) ca. 60 Jungs wohnen unter der Aufsicht von Cluny-Schwestern. Die Jungs kommen aus schwierigen Verhältnissen, sind entweder aus Kinderarbeit, oder Problemfamilien gerettet worden und werden jetzt von den BSA-Programm versorgt und auf verschiedene Schulen geschickt. Einige von ihnen, etwas mehr als 20, gehen auch auf die Gandhi Ashram School. Da sie so nahe bei uns wohnen, verbringen wir recht oft Zeit mit ihnen, beispielsweise in ihrer study-time am Abend, ihrem evening prayer oder bei gemeinsamen Kirchengängen am Sonntag. Besonderes Highlight ist dabei für mich immer, wenn sie aus voller Kehle und Seele singen.

Besuche bei den Schülern

Nach der Schule, an Wochenenden und Feiertagen nehmen die Schüler einen gerne mit zu sich nach Hause, dann laufen wir teilweise in die entlegensten Dörfer, von denen viele nur zu Fuß und über schmale, bergige und steinige Pfade zu erreichen sind. Die Kinder sind dabei wunderbare Führer, die einem erklären, wer in welchem Haus wohnt, über Pflanzen und Tiere Bescheid wissen, Geschichten aus dem Dorf erzählen und auch über ihre eigenen Familienhintergründe. Da die Dörfer oft weit von allen Straßen entfernt sind, ist es wirklich sehr friedlich und die Natur ist sehr üppig grün. Egal in welches Haus man kommt, ob man angemeldet ist oder nicht, steht Gastfreundschaft so weit oben, dass man nicht ohne eine Tasse Tee oder eine Kleinigkeit zu essen wieder gehen kann. Viele der Eltern sprechen kein oder kaum Englisch, sodass ich meine Nepalikünste ausgraben muss. Ein paar Worte dazu: auch wenn ich inzwischen einiges verstehe, und zum Beispiel grob dem Gesprächsthema folgen kann, bin ich unsicher im Sprechen. Trotzdem freuen sich die Leute, wenn man auf die Frage, ob man Nepali spricht, mit „ali ali“ (=ein bisschen) antwortet und es zaubert bei den meisten ein Lachen ins Gesicht, wenn man versucht sich mit Hämden, Füßen und ein paar Brocken Nepali zu verständigen. 

Stadtbesuche

Die Gandhi Ashram School liegt unterhalb der Stadt, mit einem Sammeltaxi braucht man ca. 15 min hüglaufwärts dorthin. Wenn wir in die Stadt gingen klapperten wir meistens ein paar feste Punkte ab. Süßigkeiten und Klopapier kaufen. An Markttagen einmal über den Markt schlendern. Irgendwelche Orte oder Läden suchen, die uns irgendjemand empfohlen hat. Lauter Leute treffen, die man irgendwann mal kennengelernt hat und sich dann hinterher fragen, wo zum Geier das nochmal war. Uns ein Eis kaufen. Uns in unser Lieblingscafe setzen und uns eine Leckerei gönnen und manchmal in interessante, nette oder seltsame Gespräche verwickelt werden. Von der Stadt aus laufen wir auch manchmal zurück nach Hause (ca. 1 1/2 h) und machten einen Stopp bei den Sisters von dem Haupthaus der BSA oder in Manresa, einem Jesuitenhaus, in dem die neuen Jesuitenbrüder ausgebildet werden (und wo komischerweise manchmal unsere Post ankommt…). Zuhause gönnen wir uns dann erstmal eine Pause von dem ganzen Lärm und den viele Leuten in der Stadt und Plündern dabei unseren neu erworbenen Vorräte 🙂

So, ich melde mich in nicht allzu langer Zeit wieder, und halte euch über die größeren Ereignisse in letzter Zeit auf dem Laufenden.

Grüße!! Und hier noch ein paar Bilder:

Nr. 6

Reisen und ein Zwischenseminar

Wo war ich stehengeblieben? Das Wintercamp ging zuende, ich machte mich bereit dafür, einen Monat unterwegs zu sein… und jetzt ist der Monat schon vorbei!

Der Norden, der Süden, die Mitte… wie groß ist Indien eigentlich? Und wie unterscheiden sich die Ecken so voneinander? 
Im Westen von Indien etwa auf mittlerer Höhe liegt im Staat Maharashtra die Stadt Pune, von Kolkata aus in 30 Stunden mit dem Zug zu erreichen. Weitere fünf Stunden Busfahrt führen einen in eine kleinere Stadt namens Shrirampur. Von dort aus ist man in zwanzig Minuten in einem wiederum kleineren Dorf, Bhokar. An dieser Stelle wird man als Ausländer von den Locals schon verständnislos angeschaut, die sich nicht vorstellen können, was irgendjemand an einem Ort wie Bhokar interessieren könnte. Von diesem Dörflein aus bedarf es weiterer 20 Minuten Fuß- oder fünf Minuten motorisierten Weges um eine kleine Häusergruppe hinter einem Schild mit der Aufschrift „Ashankur“ zu finden. Das ist der Ort an dem Sabine, auch eine Freiwillige der Jesuiten, in einem Frauenprojekt mitarbeitet und mitlebt. Für einige Tage lebte auch ich mit, mit den superlieben Mädchen, die hier eine Ausbildung als Krankenpflegerinnen bekommen und den Schwestern, die das Projekt leiten. Hier lernte ich ein ganz anderes Indien kennen. Anderes Essen (Juhuu, weniger Reis und mehr Chapati), andere Sprache (hier Marathi), andere Menschen und andere Sitten. Es wird viel mehr die typische indische Kleidung getragen als bei uns (wo Mädchen oft auch einfach in Jeans rumlaufen), die Umgebung ist ganz anders (fast alles flach und trockener). Insgesamt habe ich das Gefühl, mehr im „typischen“ Indien zu sein.

Ashankur
 

Die Tage verbrachte ich damit, die Umgebung (die Stadt Shrirampur und das kleine Dorf Bhokar und noch ein paar andere Dörfer) zu erkunden und einen ganz anderen Alltag zu schnuppern, fern vom mir jetzt so vertrauten Kalimpong. 

Um dann einmal rauszukommen aus dem Dörflichen und uns wie richtige Touristen auszutoben fuhren wir in den nächsten Tagen nach Pune und Aurangabad und Mumbai. Während unsere Pune-Zeit noch viel mit Jesuiten zu tun hatte (wir wohnten in einem Jesuitenhaus, trafen den deutschen Missionsprokurator auf seiner Indienreise und besuchten den Geburtstag eines deutschen Jesuiten), machten wir uns dann auf eigene Faust auf den Weg. Anstelle langer Worte hier einfach ein paar Bilder:

Punes Straßen
Tempel-Sightseeing in Pune mit Sabine
Kunstvolle Höhlen in Aurangabad

Vom Sonnenaufgang in Mumbai nach einer ungemütlichen Nachtfahrt im Bus…
…bis zum Sonnenuntergang an der Moschee im Meer

Um nicht nur Bilder vom Meer zu zeigen: Hier ein paar alte Häuser in Mumbai

Tamil Nadu, Trichy, Zwischenseminar

Von Mumbai aus war unser nächster Stopp die Stadt Trichy (kurz für Tiruchirappali) in Tamil Nadu (der Südöstlichste Staat Indiens). Hier sollte unser Zwischenseminar stattfinden. Einen Tag, den wir dank Zugverbindung zu früh angekommen waren, verbrachten wir noch damit, die Innenstadt zu erkunden und ein bisschen ein Gefühl für der Süden zu bekommen.

Das Seminar selbst war sehr spannend, der Austausch mit so vielen anderen Gleichgesinnten tat richtig gut. Inhaltlich ging es viel um die einzelnen Projekte, wir hatten viel Zeit, das vergangene halbe Jahr (wie, schon soo lange??) zu reflektieren und uns von den anderen Freiwilligen neue Tipps und neue Motivation geben zu lassen. Außerdem hatten wir die Möglichkeit uns in einem College mit den Studenten auszutauschen und hörten spannende Vorträge unter anderem über Globalisierung und die Rolle der Frau in Indien. Aus dem Seminar nehme ich mir den Vorsatz mit, nochmal mit Vollgas in die letzten Monate zu starten, mich noch mehr einzubringen und selbstbewusster durch meinen Alltag zu laufen. Mir ist aufgefallen, wie viel mehr ich inzwischen von der Kultur verstehe (auch wenn in vielen Bereichen ein großes Fragezeichen steren bleibt) und ich lerne viele Dinge wertzuschätzen, die ich hier in Kalimpong habe. 

Zurück nach Kalimpong musste ich glücklicherweise nicht alleine reisen, ich nahm mir für ein paar Tage einfach noch die Sabine mit. Bis Kolkata saßen wir außerdem im selben Zug mit Clara und Richard, zwei Freiwilligen in Bihar, und verbrachten dank der Zugverbindung noch einen Tag in Kolkata. Bevor wir jetzt aber entgültig in die Gandhi Ashram School zurückkehren, fühle ich mich noch verpflichtet, ein paar Zeilen über das Phänomen Zug in Indien zu schreiben. Wenn man vom Zugfahren redet, spricht man meistens von Zeiträumen von einer Nacht bis hin zu mehreren Tagen, die man für die Strecken durch das riesige Indien braucht. Ständige Begleiter in den Zügen sind die unzähligen Verkäufer, die wahlweise Chai/Kaffee, Mahlzeiten, Knabbereien, Kopfhörer/elektronisches Zubehör, Bettwäsche oder Unterwäsche anbieten (nur um mal einige zu nennen). Während man sich tagsüber auf den Bänken die Knochen wundsitzt, werden nachts die Betten ausgeklappt und man versucht mit der mitgebrachten Decke (bei mir war das ein dicker Schal) unter dem Schnarchen der Nachbarn die Nacht zu überstehen. Das ganze gibt es natürlich in verschiedenen Komfort-Klassen mit oder ohne Klimaanlage und mit oder ohne bereitgestellten Bettlaken (obwohl die Toiletten nirgendwo sehr appettitlich waren). Angesichts der vielen Horrorgeschichten, die jeder Zugreisende zu erzählen hat von Diebstählen und seltsamen Mitfahrern, ist das ganze aber doch eher ein Abenteuer, das man in Indien nicht verpassen sollte!

Endlich wieder daheim?

Während ich mich im Süden sonnte (ähäm…fleißig war), fing in der Gandhi Ashram School das neue Schuljahr an. Der Musikunterricht startete aber erst, nachdem ich auch wieder da war (etwa ein Woche nach Schulbeginn) und so begann das Unterrichten für mich mit vielen Veränderungen in meiner Schülerschaft. Nach dem anfänglichen Aneinander-Gewöhnen und Kennenlernen begann ich mich nochmal neu mit meinem Unterrichtsstil auseinanderzusetzen und kaum, dass ich mich wieder in den Alltag eingefunden hatte, waren Hannah und ich nochmal eine Woche unterwegs in die Landeshauptstadt Delhi. Dort trafen wir einige andere Freiwillige und verbrachten gemeinsam das Holifestival, an dem der Frühling mit bunten Farben eingeläutet wird. 

Von Delhi machten wir einen Tagesausflug nach Agra und zum Taj Mahal
Bunte Holimenschen

So, und jetzt bin ich wieder zuhause und kann mich wieder ganz auf den Alltag einlassen, mit meinen lieben Schülern, kleineren Veranstaltungen (beispielsweise einem Gedicht-Vortrags-Wettbewerb) und und und… bis es dann in gar nicht allzu langer Zukunft Familienbesuch gibt… 🙂

Nr. 5

Ein bisschen verspätet – aber hier ist er, der neue Eintrag. Viel Spaß beim Lesen! 

Die letzten Wochen in der Schule

Nach Ende der Musikprüfungen hatten wir nicht mehr lange bevor die Jahresabschlussprüfungen losgingen. Das bedeutete für die Schüler meistens zwei Examen pro Tag in jedem Fach und für uns hieß es Aufsicht! Zwei Stunden pro Prüfung standen wir nach einem vorher ausgeklügelten Plan in den Klassen und sahen Kindern beim Schreiben zu und versuchten sie vom Schummeln abzuhalten. Das war mal mehr und mal weniger erfolgreich und gerade bei den jüngeren Klassen war die Konzentration oft schon weit vor Ende der Prüfung aufgebraucht. Aber nach knapp einer Woche war der ganze Spaß dann auch wieder geschafft und vor die langen Winterferien begannen hatten wir noch eine Woche übrig. Hannah und ich nahmen uns in der Zeit einmal die Schulbibliothek vor. Ein großer Haufen, wenig sortierter, alt aussehender Bücher. In den Tagen bevor wir wegfuhren schafften wir es immerhin ein paar der Regale neu zu ordnen, kaputte Bücher auszusortieren und das ganze zu katalogisieren, aber bis das alles geschafft ist, wird es wohl noch dauern…

Am letzten Freitag vor den Winterferien gab es in der Schule eine Weihnachstfeier. Dazu kam der Weihnachtsmann (extra aus Amerika angereist!), ein Krippenspiel, Weihnachtslieder und eine große Wichtelaktion für die Lehrer sowie die Schüler. Nach dem Mittagessen, das jeder selbst mitbrachte und dann untereinander geteilt wurde, ging das Schuljahr zuende und die Schüler kamen nur noch einmal am folgenden Montag, um die Zeugnisse abzuholen.

Zum Jahresabschluss gab es an einem Tag dann mit den ganzen Lehren noch einen Ausflug, ein Picknick. Mit dem Schulbus fuhren wir in ein nahegelegenes Flusstal, eine wirklich schöne Stelle und verbrachten den Tag mit kochen, essen, schwatzen, Kartenspielen und die Sonne genießen. Hannah und ich brachten selbstgemachte gebrannte Mandeln für alle mit und damit ein bisschen deutsche Weihnachtsstimmung, die sehr begrüßt wurde.

Ferienreisezeit

Die zweimonatigen Ferien, in denen in der Schule natürlich nicht sonderlich viel los ist, sind für uns Freiwillige eine gute Gelegenheit durch Indien zu reisen und uns mal den Rest dieses riesigen Landes anzuschauen. So fuhren wir zu Beginn der Ferien mal zu anderen Freiwilligen im nächsten Bundesstaat Bihar. Der Austausch tat gut und es war echt interessant das andere Projekt zu sehen (besonders ungewohnt war die Tatsache, dass das Land hier auf einmal wieder ganz flach war…), die Menschen, die auf einmal ganz anders aussahen als bei uns (als Ausländer stachen wir trotzdem genauso vor…) und anders redeten. Da war es schon wieder ein Gefühl von Vertrautheit, unser gutes altes Nepali zu hören, als wir im Bus zurück saßen, und das, obwohl ich immer noch kaum ein Wort verstehe…

Nur einen Tag blieben wir in Kalimpong, bevor es weitergehen sollte nach Gangtok in Sikkim. Der Plan war Folgender: Wir fahren über Weihnachten hin, schauen uns drei Tage die Stadt und Umgebung an, dann kommt das Schulorchester, das dort einen Auftritt haben soll und wir können mit dem Schulbus wieder zurückfahren. Soweit so gut. Wir fuhren hin, ein anderer Teil des Orchesters kam (für Weihnachten wurde das Orchester in drei Teile gespalten, die alle an verschiedenen Orten spielen sollten) , wir sahen Gangtok und Umgebung (wirklich schön und sehr sauber!) und das Orchester, das ursprünglich kommen sollte, kam doch nicht, weil es irgendwo eine Fehlkommunikation gab. Leider kamen wir zu spät zum Taxistand und alle Jeeps und Busse nach Kalimpong waren schon abgefahren, sodass wir um einiges mehr für ein privates Taxi zahlen mussten… Aber alles in allem waren es wirklich schöne Tage, die wir sehr genossen haben, und mein erstes Weihnachten von Zuhause weg wird wohl noch lange mein seltsamstes bleiben…

Chongu Lake
Yaks
Buddhistisches Kloster – davon gibts richtig viele in der Gangtoker Umgebung

Nachdem wir wieder in Kalimpong angekommen waren blieb uns mal wieder nur ein Tag bevor wir wieder losfuhren, diesmal in Richtung Kolkata. Um unseren Zug früh am Morgen zu erreichen, machten wir (das sind diesmal Hannah, Theresa und ich, während ich vorher nur mit Hannah unterwegs war) uns am Tag vorher auf, verbrachten die Nacht in einer Jesuitenunterkunft in der Nähe vom Bahnhof. Wir hatten einen recht komfortablen Zug gebucht, der war einem Deutschen gar nicht so unähnlich. Vor uns saß sogar eine schwedische Familie (nicht-indische Gesichter!) und wir wurden die ganze Zeit mit Tee, Essen und was-noch-sonst versorgt (sogar eine Zeitung zum Zeitvertreib gab es). In Kolkata kamen wir nach ca. 10 Stunden (mit Verspätung) an und wir wurden von einem anderen Freiwilligen aus Hannahs Organisation abgeholt. Die nächsten Tage verbrachten wir damit durch Kolkata zu streifen und unsere Zugtickets für die folgende Zeit zu buchen (wobei ich anders plane, als die restlichen drei, aber dazu später mehr). Silvester gingen wir abends an die Park Street, der Ort in Kolkata, wo in der Nacht wohl am meisten los ist. Unzählige Leute waren in einem sich langsam fortbewegenden Strom versammelt und vor, während und nach Mitternacht bekamen wir von allen Seiten ein „happy new year!“ und mindestens genauso oft wurden wir nach Selfies gefragt. Feuerwerk gab es leider kein nennenswertes, aber das war vielleicht gar nicht nötig angesichts dieses Feuerwerks an Menschen. Wir trafen uns mit einigen anderen deutschen Freiwilligen und hatten eine echt gute Zeit!

Kolkata vom Dach unserer Unterkunft
Das Viktoria Memorial. Rein bin ich nicht, das hätte für Ausländer 200 Rupien gekostet, während Inder nur 20 zahlen…

Nach Neujahr trennten sich dann meine Wege von denen der anderen drei Freiwilligen. Die haben nämlich Mitte Januar ein Zwischenseminar in Kochi, während meines Anfang Februar in Trichy, Tamil Nadu, stattfindet, da ich ja von einer anderen Organisation ausgesendet bin. Während Hannah, Theresa und Lennart über Mumbai in der Süden nach Kerala reisen, blieb ich erstmal einige Tage bei einem anderen Freiwilligen der Jesuitenmission in der Nähe von Kolkata. Das Projekt, in dem er arbeitet, „Kalahrdaya“, ist etwas außerhalb von Kolkata, ein Kulturzentrum in dem unter anderem klassischer südindischer Tanz unterrichtet wird. Ich genoss die Tage in dem ruhig gelegenen Ort, wobei wir auch verschiedene nahegelegene Plätze besuchten. Diesmal alleine machte ich mich auf den Weg zurück, die Reise verlief zum Glück reibungslos.

Kalahrdaya: Hier gibts ganz viele Teiche…

Wieder in Kalimpong kam ich an einem Samstag an und sah erstmal den ganzen Tag niemanden. Aber es fühlte sich gut an, wieder Zuhause zu sein und in den nächsten Tagen freute ich mich wieder die ganzen Leute zu treffen und es fühlte sich für mich an, als ob ich länger als zwei Wochen unterwegs gewesen war. In der Schule sind zwar immer noch Ferien, aber im Januar gibt es hier ein Programm für Schüler, die jeden Tag kommen und Nachhilfe/Vorbereitung aufs nächste Jahr in Mathe, Englisch, Nepali, Humanities und Musik bekommen. Das heißt ich konnte mich einfach eingliedern und Musikunterricht geben. In den kleineren Klassen brachte ich ein paar Lieder bei und sonst gab es jede Menge Neuanfänger am Klavier. Wir bekamen noch Unterstützung von einem amerikanischen Volunteer, der von seinem College aus die Chance hatte für einen Monat nach Kalimpong zu kommen und hier Englisch zu unterrichten. So war ich dann doch nicht alleine und genoss es, ein bisschen den „alten Hasen“ zu spielen und dem neuen Freiwilligen alles zu zeigen.

„Willkommen zurück“-Hügel in Kalimpong

Als nächstes werde ich auf die andere Seite des Landes reisen, nach Pune um dort eine andere Freiwillige, Sabine, auch von den Jesuiten, zu treffen und schließlich mit ihr in den Süden zu unserem Zwischenseminar zu fahren. Aber davon werde ich das nächste Mal berichten!

Liebe Grüße und man liest sich…

Nr. 4

Hallo ihr, ich freu mich, dass ihr vorbeischaut! Nach drei Monaten hier hab ich jetzt schon ein Viertel meines Jahres geschafft, das ging so schnell. Es fühlt sich überhaupt noch nicht so lange an und noch unglaublicher ist, dass nächsten Monat schon Weihnachten sein soll… Auch wenn es hier in den Hügeln recht kalt wird, vor allem abends und morgens (man bedenke, dass es in den Häusern keine Heizungen gibt), kommt das noch lange nicht an den deutschen Winter heran und bei mir will sich, wenn ich mittags im Tshirt bei strahlendem Sonnenschein und klarem Himmel (seit die Regenzeit vorbei ist, ist das Wetter fast immer so) einfach noch keine Weihnachtsstimmung einstellen…

Wie dem auch sei, wie immer ist in den letzten Wochen viel passiert, also viel Spaß beim lesen!


Besuch bei Father Benni

Nach den Ferien starteten wir erstmal eine Woche wieder in der Schule durch. Das Wochenende darauf nutzten wir für einen Ausflug in ein Dorf namens Sakyong, etwa eine Stunde entfernt, wo ein bekannter Father wohnt, der auch schon öfter in Kalimpong zu Besuch war. Genannter Father gab sich wirklich alle Mühe, unseren Aufenthalt so luxuriös wie möglich zu gestalten, und aus jedem zweiten Satz konnte man raushören, wie stolz er auf seine Kirche war. Die war aber auch echt schön. Das erst zwei Jahre alte Gebäude wurde innerhalb von weniger als einem Jahr errichtet, jetzt steht ein stolzer Kirchenraum, einige Klassenräume für die dazugehörige Schule und mehrere Zimmer für die zwei ansässigen Jesuiten und eventuelle Gäste (in diesem Fall also wir). Einen Tag verbrachten wir damit, mehrere Familien der Umgebung zu besuchen, was echt immer interessant ist. Da sieht man, wie einfach die Leute hier Leben, in Häusern ohne Isolierung oder Heizung, obwohl es nachts echt kalt werden kann. Um die Familien zu erreichen läuft man oft auf sehr schmalen, unebenen und steinigen Wegen durch die Hügellandschaft. Am nächsten Tag fuhren wir nach der Messe dann wieder zurück nach Kalimpong. Wir nahmen einen Jeep, die gängigste Variante hier von A nach B zu kommen. Dazu muss man sagen, dass die Jeeps nicht losfahren, solange nicht in jeder der drei Reihen vier Personen sitzen, in Reihen, die in Deutschland auf keinen Fall mit mehr als drei Personen besetzt würden. Sogar in der ersten Reihe neben dem Fahrer sitzen noch drei Personen, die sich so einfädeln, dass der Fahrer die Gangschaltung zwischen den Beinen der nächsten Person bedienen muss. Das kam mir am Anfang sehr seltsam vor, aber inzwischen kann ich sagen, habe ich mich echt schon daran gewöhnt.

Auf dem Weg zu den Familien in den Dörfern

Diwali

Das nächste Fest mitsamt Ferien war nicht weit: Diwali wird fünf Tage lang Ende Oktober/Anfang November gefeiert. Um die indische Kultur richtig kennenzulernen, fuhren wir, d.h. Hannah, Theresa (aus Darjeeling) und ich zu Verwandten eines Lehrers an unserer Schule. Der Vater der besagten Familie leitet eine Schule ein Stück außerhalb von Kalimpong und ihr Wohnhaus ist direkt an diese angeschlossen. Wir genossen das leckere Essen, denn wie sich herausstellte ist unser Lehrer ein sehr guter Koch (mal nebenbei bemerkt war das die erste Familie, die uns auch mal erlaubte mitzuhelfen) und fühlten uns in dem großen schönen Haus mit Terasse ganz gut aufgenommen. Über die Tage konnten wir verschiedene Traditionen des Diwali bezeugen, darunter ein Gebet an die Hindu-Göttin des Reichtums (sehr mystisch mit Räucherstäbchen und Kerzen und und und… am Ende bekamen wir Reis auf die Stirn geklebt und 20 Rupien „gesegnetes Geld“), Jugendliche, die um die Häuser ziehen und für Geld singen und schließlich der wichtigste und letzte Tag des Diwali, an dem die Schwester ihre Brüder mit einer Tika (der Punkt Farbe auf der Stirn, in diesem Fall waren es fünf verschiedene Farben) versieht, als Zeichen dafür, dass der Bruder ein gesegnetes Jahr haben soll. Abends wurde dann bei uns ein Feuerwerk veranstaltet (Diwali ist ja eigentlich das Fest der Lichter), und es gab von den Schülern ein Programm mit ganz vielen traditionellen Tänzen. Einen Tag lang machten wir einen Ausflug zur Familie des Vaters und besuchten einen Park mit einer rieisigen Statue. Auf dem Weg zurück wollten wir eine Abkürzung nehmen, aber wie sich herausstellte, endete sie im Nichts und wir drehten wieder um, nachdem wir uns zehn Minuten durch dickstes Gestrüpp gekämpft hatten. Die ganzen Tage hatten wir herrliches Wetter und die Freundlichkeit der Leute machten die Zeit zu einem wirklich erinnerungswürdigen Ereignis!

Die Zeremonie für die Tika

Besuch zweier Deutscher

An einem Samstag bekamen wir Besuch von zwei Deutschen, die für Missio arbeiten, ein Werk das Spenden für Projekte wie unsere Schule organisiert. Um den Gästen etwas zu bieten stellten unsere Schüler und das Orchester einige Lieder und Tänze zusammen (die waren ja schon alle fürs Schulkonzert eingeübt worden), die dann aufgeführt wurden. Nach einem gemeinsamen Tee mit den Gästen, Lehrern und Jesuiten (auch Father Paul aus Darjeeling war da) begleiteten wir die beiden den Nachmittag über, als sie mit Father Paul den Fortschritt der Baustelle besichtigten, einige Details mit den Spenden besprachen und schließlich noch ein paar Häuser besuchten. Wir genossen die Gesellschaft der Deutschen sehr und erfuhren an diesem Tag auch sehr viel Neues und Interessantes über die Schule, etwa über die Planung der Schulgebäude, ein bisschen, wie das mit den Spenden abläuft, etc.

Orchester vor den Gästen und dem Rest der Schule

Children’s day

In einem meiner letzten Blogeinträge hatte ich ja schon über den Teacher’s Day berichtet, an dem die Schüler ihren Lehrern danken und sie ehren. Als Gegenstück dazu fand nun zwei Monate später der Children’s Day statt. Diesen Tag organisieren dementsprechend die Lehrer für die Schüler. Offiziell findet der Tag immer am 14. November statt, einem Montag. In unserem Fall wurde die Feier aber auf den Samstag davor gelegt, damit auch die Boarders (ehemalige Schüler der GAS, die nach Klasse 8 auf andere Schulen gegangen sind) teilnehmen konnten, dafür war aber an dem Montag schulfrei. Morgens nach einem Assembly startete der Tag mit einem Marathon, einem Wettrennen, unterteilt nach Klassenstufe und Geschlecht. Danach gab es ein gutes Frühstück für alle, bestehend aus einem Brötchen, einem Ei und dazu Curry. Den Rest des vormittags wurden Spiele für alle Klassen veranstaltet, die am Ende alle mit Süßigkeiten belohnt wurden. Nach dem Mittagessen startete dann ein zwei- bis dreistündiges Programm der Lehrer. Es wurden verschiedene Lieder, Tänze und ein Theaterstück (mal wieder auf Nepali…. aber die Kostümierung und die Reaktionen des Publikums waren schon Unterhaltung genug) aufgeführt. Wir Freiwilligen sangen einmal mit allen Lehrern ein Lied und schlossen uns den Lehrerinnen in einem Tanz auf ein indisches Lied an, das viele Ohs und Ahs erntete (hatten wir auch verdient nach den 2 Wochen hartem Training nach der Schule 😉). Sogar Father sang für die Schuler, die prompt alle mittanzten – eine Premiere, dass ein Schulleiter am Children’s Day singt. Die Kinder gaben auf jeden Fall ein herrliches Publikum ab, rufend klatschend, pfeifend, und hatten offensichtlich eine tolle Zeit, auch als am Ende noch Musik zum Tanzen lief. Gerade dieser Tag hat mir im direkten Vergleich zum Teacher’s Day gezeigt, wie gut ich mich hier doch eingefunden habe, die Schüler und Lehrer sind inzwischen längst keine Fremden mehr für mich! 

Rennende Schüler: Marathonstart
Singende Lehrer

Musikprüfungen

Da das Schuljahr hier im indischen Hügelland im Winter wechselt, neigt sich im Schulleben langsam alles dem Ende zu. Demnächst finden die Jahresabschluss-Examen statt, es werden schon fleißig Lieder für Weihnachten gesungen und auch in der Musik gab es Prüfungen, sowohl theoretische als auch praktische. Also machten wir uns daran, die Schüler auf beide Prüfungen vorzubereiten, die Testblätter zu erstellen, einen Plan machen, was in den „practicals“ abgefragt wird, anschließend die Tests wieder zu korrigieren und die Schüler ganz individuell zu prüfen. Für mich hat sich das ein bisschen angefühlt wie Lehrer spielen und obwohl es anstrengend war, hat es auch irgendwie Spaß gemacht. Nicht, dass Lehrer inzwischen mein Traumberuf ist, aber es war zumindest interessant, eine Erfahrung. Außerdem hat es mir geholfen meine Schüler noch besser kennenzulernen und ich habe das Gefühl, jetzt immer mehr meinen eigenen Stil beim Unterrichten umsetzten zu können. 

Money, money….

Ich weiß nicht, ob es das bis nach Deutschland in die Medien geschafft hat, aber hier in Indien werden gerade neue Geldscheine eingeführt und das bringt ziemlich viele Komplikationen für ziemlich viele Leute (wenns in Indien ist, geht es schließlich immer um ziemlich viele Leute). Ziel der Aktion soll sein, dass das Schwarzgeldproblem in Indien verringert wird, da vor allem die sehr Reichen unglaublich viel Geld in Bar aufbewahren um keine Steuern zu zahlen. Anders als in Deutschland, als die 5 und 10 Euro-Scheine gewechselt wurden, werden die neuen Geldnoten nicht langsam in den Umlauf gebracht, sondern jeder einzelne muss seine 500 und 1000 Rupien-Scheine einzeln zur Bank bringen und umtauschen, die Frist dafür ist Ende des Jahres. Folge sind übermäßig lange Schlangen vor allen Banken und Geldautomaten und ein Gesprächsthema für jede Runde. Auch wir watschelten also mehrmals zur Bank (klugerweise hatten wir gerade eine Woche vor dem Ganzen Trubel beschlossen, etwas mehr Geld abzuheben, um mal für eine Weile nicht mehr zur Bank zu müssen…. war wohl nix…). In einem Rutsch konnten wir leider nicht alles umtauschen, da die Banken einfach nicht genug Bargeld hatten und einmal mussten wir sogar nach einer halben Stunde Schlangestehen wieder umdrehen, da es kein Geld mehr gab. Aber nach mehreren Anläufen haben wir jetzt alles Geld umtauschen können. Das Gute an der Sache war, dass wir uns jedes Mal, wenn wir dafür in die Stadt mussten noch ein leckeres Essen gegönnt haben – das macht die Sache dann nur noch halb so schlimm.

So das reicht dann auch mal fürs Erste wieder. Ich hoffe ihr hattet Vergnügen beim Lesen, ich freu mich über Feedback!

Ganz liebe Grüße! 😊

Nr. 3

So, der dritte Eintrag schon. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Ein weiterer Ereignisreicher Monat liegt hinter mir, ein Monat in dem ich mich weiter an das fremde Land, die Kultur, meine Ungebung gewöhnen konnte, die mir schon gar nicht mehr so fremd vorkommen.

Politik… der Besuch einer Ministerin und ein Streik

Für mehrere Tage, groß angekündigt, kam die Chief Ministerin des indischen Staates West Bengal (vergleichbar mit den deutschen Bundesländern, wenn man davon absieht, dass ein indischer Staat beinahe so groß ist, wie ganz Deutschland…) nach Kalimpong zu Besuch. Besonders viel bekamen wir davon vorerst gar nicht mit, abgesehen von der Tatsache, dass man keine Fahrzeuge in die Stadt oder sonst wohin bekam. Nur die großen Fahrzeugkolonnen, besetzt mit Polizei, Bodyguards und was-noch-sonst, fuhren gleich vor unserer Haustüre vorbei. Irgendwie gab es dann eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Ministerin und einer lokalen Partei hier (es ging um Geld) und für einen Tag wurde dann von der Partei ein Streik angekündigt. Der Tag kam und ging, die Schule blieb an einem Mittwoch geschlossen und in der Innenstadt gab es wohl Unruhen, aber nichts was uns, die wir etwas außerhalb wohnen, betroffen hätte. Pünktlich zu dem freien Tag wurde Hannah krank, lag mit Bauchschmerzen im Bett, weil der Magen gerade mal nicht mehr wollte. Ein paar Tage später am Wochenende erwischte es mich dann auch und wir beide taten die nächsten Tage etwas langsamer (unsere Kur: Wärmflaschen und Tee). Weitere politische Konsequenzen gab es allerdings nicht. Ein Glück, wenn man die Horrorgeschichten von 40-tägigen Streiks hört, die es hier wohl in der Vergangenheit gegeben hat, und wo alles stillstand…

Neue Bewohner in der alten Gandhi Ashram School

Nachdem das Schulgebäude ja vor einiger Zeit umgezogen ist, ist jetzt auf dem alten Gelände ziemlich viel freier Platz. Ein paar katholische Ordensschwestern planten daher schon seit längerem hier herzuziehen, zusammen mit einigen Jungs, die sie aus Kinderarbeit geholt hatten. Lange stand das so in der Luft, und wir fragten uns, wann da wohl wirklich was passiert, aber irgendwann, vor ca 3 Wochen, standen dann tatsächlich so an die 20 „BSA“-Jungs vor unserem Tor und in den nächsten Tagen/Wochen zogen dann nach und nach alle 60 ein, zusammen mit ein paar Schwestern. Das Programm der Schwestern besteht daraus, die Kinder aus der Kinderarbeit zu holen, von da an kümmern sie sich darum, dass sie wohnen, essen und zur Schule gehen können, wenn möglich hinterher eine Ausbildung oder so zu bekommen. Die Jungs gehen auf um die 20 verschiedenen Schulen, ein paar sind auch an der Gandhi  Ashram School.


Das Schulkonzert und seine Vorbereitungen

Jedes Jahr veranstaltet die Gandhi Ashram School ein „cultural program“, ein Schulkonzert, an dem möglichst alle Schulkinder und auch viele der ehemaligen Schüler (Boarders) teilnahmen. Das Programm bestand aus verschiedenen Beiträgen: Liedern, sowohl Solo als auch in Gruppen, Tänzen, für die extra Tanzlehrer engagiert wurden und einem Theaterstück (es war auf Nepali, deswegen kann ich nur so ungefähr sagen, wovon es handelt…), dem Orchester und einem Chor. Schon in den Wochen vorher wurde nachmittags viel Unterrichtszeit auf die Proben verwendet, und die ganze letzte Woche vor dem Schulkonzert fand gar kein Unterricht statt, sondern nur noch Proben in der großen Halle der alten Schule (genannt „downschool“, im Gegensatz zur „upschool“ der neuen Schule, die aber noch keine große Halle vorweisen kann), wo das Konzert dann auch an zwei Tagen hintereinander stattfinden sollte. Für Hannah und mich, die in der Zeit von den Proben gesundheitlich etwas schlapp waren, war es ganz praktisch, dass wir nicht jeden Tag hochlaufen mussten und uns jederzeit in unsere Zimmer zurückziehen konnten, wenn wir mal Ruhe brauchten.

Donnerstag und Freitag waren schließlich die Konzerte (wurde auch langsam Zeit, die Lieder konnten langsam alle nicht mehr hören). Es wurde jeweils ein Ehrengast eingeladen, der im Verlauf des Konzertes eine Rede hielt. Insgesamt dauerten die Konzerte 2-3 Stunden. Das Programm wurde an den Tagen etwas abgeändert aufgeführt, um sich an das Publikum anzupassen (die Eltern wurden je nach Klassenstufen an unterschiedlichen Tagen eingeladen).Hannah wurde mit ihrer Spiegelreflexkamera zur offiziellen Fotografin erklärt, während ich ein paar der Lieder am Klavier begleitete. Alles in allem eine echt schöne Erfahrung, so ein indisches Schulkonzert mal von hinter fen Kulissen zu sehen!


Darjeeling Touristen und Trekking

Nach dem Schulkonzert, gab es eine Woche lang „Puja“-Ferien (irgendso ein Hindu-Fest). Davon bekamen wir recht wenig mit (abgesehen davon, dass ganz viele Leute mit Reis-Tikas, also Reiskörnern und Farbe auf der Stirn, rumliefen), nutzten aber die freie Zeit, um nach Darjeeling zu fahren, dort ein bisschen zu bleiben und dann für fünf Tage Wandern zu gehen. Darjeeling ist um diese Zeit ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt (für alle Interessierten: Oktober/November oder März/April sollen die besten Reisezeiten sein 😆), so haben wir beispielsweise an einem Nachmittag mal mit Reisenden aus aller Welt plaudernd verbracht. Zum Trekken ging es dann in den Singalila-Nationalpark in der Nähe von Darjeeling. Zusammen mit einem Guide (Ausländer dürfen sonst nicht in der Gegend wandern) machten wir, das sind Theresa, eine Freiwillige aus Darjeeling, Hannah und ich, uns auf den Weg und marschierten (meistens) munter gegen dichten Nebel, Wolken und jede Menge Regen an. Die Nächte verbrachten wir in Hütten, frierend konnten wir mit Schlafsack und mehreren Decken schlafen (von guter Isolierung haben die da oben noch nicht so viel gehört..), bekamen aber immer gutes Essen und trafen immer wieder auf die selben netten Leute: ein indisches junges Paar und zwei Australier, mit denen wir uns gut verstanden. Einen Morgen hatten wir aber doch Glück und standen um 5 Uhr morgens auf um den Sonnenaufgang mitzuerleben und eine herrliche Aussicht auf die höchsten Berge der Welt zu genießen. Das machte dann schon den Frust auf das Wetter der anderen verregneten Tage wieder gut. Auch die Tatsache, dass wir einfach mal so im Himalaya wandern gehen konnten. Und die vielen Knabbereien, die wir uns mitgenommen hatten. Stinkend, mit müden Beinen und ganz vielen schönen Erinnerungen und Erlebnissen, kehrten wir erst für das Wochenende nach Darjeeling zurück. Früh sonntagmorgens fuhren wir noch zum Tigerhill und (ganz die Touris) beobachteten den Sonnenaufgang. Jetzt war natürlich schönes Wetter. Schließlich nahmen wir ein Taxi zurück nach Kalimpong, wo diese Woche wieder die Schule losging. Erstaunlich, wie sehr es sich schon nach Nachhausekommen angefühlt hat (nicht ganz so erstaunlich, wie sehr wir das wärmere Klima nach den kalten Tagen begrüßten).

Ganz ganz liebe Grüße!! 😊

Nr. 2

Über einen Monat bin ich jetzt schon hier in Kalimpong, Indien. Auf der einen Seite kommt es mir schon viel länger vor, weil ich so viel Neues gesehen und erlebt habe, auf der anderen Seite fühle ich mich aber immer noch wie die Neue, die Fremde, die Andere.
Euch wünsche ich auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen von meinen Eindrücken des letzten Monats.

Die Schule
Um halb neun gehen wir jeden Tag aus dem Haus, laufen die Viertelstunde bergauf zur Schule (erstaunlich, wie unterschiedlich lange einem der Weg je nach Wetterlage, Erschöpftheit und Laune vorkommt…), sodass wir rechtzeitig um neun zu Unterrichtsbeginn da sind. In der ersten Stunde (Unterrichtsstunden dauern in etwa 35 Minuten) haben Hannah und ich allerdings noch keine Klassen, was heißt, dass wir die meistens im Lehrerzimmer zubringen. Bis nachmittags um halb vier geht dann der Unterricht (wobei die letzte Stunde für uns wieder eine Freistunde ist), unterbrochen von einmal einer Teepause (mmh, lecker Kekse & Tee) und dem Mittagessen. Für mich bedeutet das, dass ich für Klasse vier bis acht in Gruppen von jeweils drei bis fünf Schülern Klavierunterricht gebe (die Gruppen haben je viermal die Woche Musikunterricht) und in den Klassen zwei und drei in den „singing classes“ mithelfe.
Langsam komme ich ins Unterrichten ganz gut rein, nach dem ersten, wie schon im letzten Eintrag erwähnt, etwas planlosen Tag. Ich tüftle aber immer noch an der Frage, wie ich, vor allem in den größeren Gruppen, die Schüler beschäftigen/einigermaßen ruhig halten soll, die gerade nicht am Klavier sitzen…
Nachmittags ist an manchen Tagen noch Orchesterprobe der „Boarders“, Schüler, die auch an der  Gandhi Ashram School waren, und mit Hilfe der Schule höhere Klassen besuchen und ihren Abschluss machen können.
Hannah kann mit ihrer Bratsche im Orchester mitspielen, ich als Pianistin habe nicht so viel zu tun und gehe daher manchmal einfach früher heim, manchmal bleibe ich, um ein bisschen Klavier zu spielen oder einfach nur zuzuhören.

Abschiede und Begrüßungen
Recht plötzlich kam für uns alle Beteiligten die Nachricht, dass Fr Ajay versetzt werden soll. Anfang der Woche lag er noch krank im Bett, und am Samstag fuhr er schon ab, um in einem College, etwa vier Stunden entfernt, sich um die Finanzen zu kümmern und selbst zu lernen. Freitags wurde er dann von allen Schülern und Boarders verabschiedet und abends gab es bei uns noch ein kleines Festessen. Für uns galt es, sich erstmal umzustellen und uns daran zu gewöhnen,
Kaum eine Woche später füllte sich Fr Ajays Platz aber wieder, als ein neuer Brother, Br Gilbert, zu uns stoß, um an der Gandhi Ashram School mitzuwirken.

Unternehmungen
Tja und was machen wir, wenn wir gerade nicht in der Schule arbeiten? Aussichtspunkt Durpin
Einmal machten wir uns Sonntags auf, eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt zu unternehmen, mit Bidhan (Musiklehrer an der Gandhi Ashram School) und ein paar seiner Nachhilfeschüler. Abenteuerlich ging der Weg mitten durch den Wald, oft nicht mehr als ein Trampelpfad und stets bergauf. Das Wetter spielte uns natürlich einen Streich, sodass wir beim Aufstieg klaren Himmel und heißen Sonnenschein hatten, während es, je weiter wir nach oben kamen, immer nebliger und wolkiger wurde. Der Ausblick von oben war daher nicht nennenswert (es sei denn, man genießt es, zehn Meter weit in Nebel zu starren), aber schon beim Aufstieg boten sich uns fantastische Blicke, und das selbst mitgebrachte Mittagessen war nach dem anstrengenden Marsch schon Belohnung genug. Anschließend besichtigten wir einen buddhistischen Tempel nahe des Aussichtspunkts und nahmen zwecks müder Beine eines der hier überall verkehrenden Sammeltaxis zurück nach Hause.

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Taekwondo
Jeden Samstag und Sonntag wird in der alten Gandhi Ashram School (also da wo wir wohnen, nicht da, wo wir arbeiten) Taekwondo-Training angeboten. Um einfach mal Sport zu machen und sich mal auszutoben (außer dem täglichen Gang zur Schule, oder sonstigen Fußmärschen irgendwohin, gibt es in nächster Nähe keine Angebote), machen sich Hannah und ich früh um 6 auf, und nehmen an dem zweieinhalbstündigen Training teil, was sich stets mit schweren Beinen und Muskelkater für mindestens die nächste halbe Woche auszahlt (und dann immer noch der Weg zur Schule rauf….).
Schülerbesuche
Es kommt immer wieder vor, dass uns Schüler einladen, mit zu sich nach Hause zu kommen. Dann holen sie uns nach der Schule, manchmal auch samstags ab und zu Fuß läuft man dann mehr oder weniger lang auf mehr oder weniger (meistens weniger) befestigten Straßen (also kleine Pfade im Wald, die manchmal über Bäche führen, manchmal ein paar Kletterpartien beinhalten). Nach indischer Manier bekommt man in jedem Haus Tee und es ist echt spannend, sich mit den Kindern über ihre Wohnsituation zu unterhalten. Die Eltern sprechen aber meist kein Englisch und mit meinen kaum vorhandenen Nepali-Kenntnissen gestaltet sich eine Unterhaltung noch recht schwierig. Mehr darüber werde ich aber ein anderes Mal berichten.

Der Teachers‘ Day
Einmal im Jahr wird indienweit der Teachers‘ Day gefeiert, ein Tag, den zu Ehren und als Dank gegenüber den Lehrern die Schüler gestalten. Von ihnen wird dann ein Programm mit Tanzen, Singen, Reden und Spielen aufgestellt, ein Tag an dem die Lehrer mal ausnahmsweise nichts zu tun haben und sich zurücklehnen können. Bei strömendem Regen machten wir uns morgens zur Schule auf und ließen uns von den Lehrerinnen zur Feier des Tages in den Sari helfen (an normalen Tagen gibt es keinen besonderen Dresscode zum Unterrichten). Wir Volunteers wurden kräftig mitgefeiert, und wie die anderen Lehrer mit Geschenken und Glückwünschen versehen. Nachmittags nahm uns Bidhan noch mit sich nach Hause, wo wir mit seinen Nachhilfeschülern zusammen nochmal den Teachers‘ Day feierten mit Kuchen und Knabbereien und Musik. Eigentlich echt schade, dass wir so einen Tag in Deutschland nicht haben.

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Was meinen Alltag hier sonst noch so ausmacht
Das Wetter: Im Moment ist Monsunzeit, das heißt es regnet sehr oft und viel. Zwischendrin gab es aber auch sehr heiße (ich schätze über 35 Grad) und trockene Tage (was aber laut der Einwohner für diese Jahreszeit recht ungewöhnlich ist). Auf jeden Fall ist der Regenschirm hier ein ständiger Begleiter, der je nach Wetterlage gegen Regen oder Sonnenschein eingesetzt wird. Gerade bei viel Regen kann es vorkommen, dass ein Teil unseres Schulwegs unter Wasser gesetzt ist, weswegen das einzig passende Schuhwerk Flipflops sind….
Die Sprache: In der Gandhi Asham School findet der Unterricht auf Englisch statt, das heißt mit den Schülern und Lehrern können wir uns eigentlich problemlos unterhalten (zumindest wenn man sich mal einigermaßen an den indischen Akzent gewöhn hat). Die Sprache, die hier sonst gesprochen wird ist Nepali. Ich hatte in Deutschland noch angefangen, ein wenig die Sprache zu lernen, aber nur so wenig, dass es mir hier nicht wirklich weitergeholfen hat. Und so lasse ich mir langsam, langsam von den Leuten hier die Sprache beibringen.
Die Elektrizität: Stromausfälle stehen an der Tagesordnung. Gerade, wenn es viel regnet ist hier auf Licht kein Verlass. In solchen Fällen werden dann, wenn es schon dunkel ist, einfach Kerzen angezündet oder eine Taschenlampe hervorgezaubert und voilà, ist das ganze kein Problem mehr.